Bitcoin als Altersvorsorge? Warum Vermögensaufbau und Altersvorsorge getrennt gedacht werden sollten
- Christoph Wieser

- vor 10 Stunden
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Bitcoin polarisiert. Für die einen ist er digitales Gold, für andere ein reines Spekulationsobjekt. Spätestens seit den starken Kursschwankungen der letzten Jahre sehen viele Menschen in Bitcoin eine Möglichkeit, ihre Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen und wachsender Skepsis gegenüber klassischen Rentensystemen wirkt das verlockend.
Dabei ist Bitcoin im Grunde nichts anderes als eine Währung, nur nicht unbegrenzt zur Verfügung. Meiner Meinung nach steht Bitcoin zwischen dem Dollar/Euro oder anderen Währungen und Edelmetallen wie Gold und Silber.
Ein Denkfehler passiert jedoch immer wieder: Vermögensaufbau ist nicht gleich Altersvorsorge – und diese beiden Ziele sollten sauber voneinander getrennt werden.
Bitcoin: Chance mit klaren Schwächen
Bitcoin hat ohne Zweifel seine Daseinsberechtigung. Als innovatives, begrenztes digitales Gut kann er langfristig eine Rolle im Vermögensaufbau spielen.
Aber: Bitcoin ist extrem volatil. Kurseinbrüche von 30, 40 oder sogar 60 Prozent innerhalb kurzer Zeit sind keine Ausnahme, sondern Teil seiner Geschichte.
Der aktuelle Dropdown zeigt das sehr deutlich. Wer erst kürzlich eingestiegen ist oder auf kurzfristige Liquidität angewiesen wäre, spürt diese Schwankungen unmittelbar – finanziell wie emotional. Oftmals passiert nun ein Fehler, der vor allem bei nicht professionellen Anlegern immer wieder vorkommt: Es wird verkauft um "Schadensbegrenzung" zu betreiben.
Für den Vermögensaufbau kann das akzeptabel sein. Für die Altersvorsorge, also die Absicherung eines festen Lebensstandards im Ruhestand, ist diese Volatilität jedoch ein erhebliches Risiko.
Ein Beispiel aus der Praxis
Stellen wir uns Herrn M. vor, 64 Jahre alt. Er plant, in diesem Jahr in Rente zu gehen. Über die letzten Jahre hat er einen großen Teil seines Kapitals in Bitcoin investiert, überzeugt von der langfristigen Entwicklung. Anfang des Jahres stand sein Bitcoin-Vermögen bei 300.000 Euro – ein solides Polster für den Ruhestand.
Dann folgt ein starker Kursrückgang. Innerhalb weniger Monate sinkt der Wert auf 190.000 Euro. Herr M. steht nun vor einem Problem:
Er kann nicht einfach „aussitzen“, denn er benötigt monatliche Entnahmen.
Ein Verkauf im Minus ist faktisch eine dauerhafte Kürzung seiner Altersvorsorge.
Psychischer Druck und Unsicherheit nehmen zu – genau das, was man im Ruhestand vermeiden möchte.
Dieses Beispiel zeigt sehr klar: Timing-Risiken sind im Alter existenziell. Und sind wir mal ehrlich: Keiner von uns möchte in die Situation von Herrn M. kommen.
Altersvorsorge braucht Stabilität, keine Wetten
Altersvorsorge hat eine klare Aufgabe: planbare, verlässliche Einkommen im Ruhestand sicherzustellen.
Bitcoin erfüllt diese Anforderungen leider nicht. Es gibt keine garantierten Auszahlungen, keine Stabilität und keinen Schutz vor ungünstigen Marktphasen, keine Absicherung gegen das Langlebigkeitsrisikos
.
Das bedeutet nicht, dass Bitcoin „schlecht“ ist – sondern dass er falsch eingesetzt wird, wenn man ihn als alleinige Altersvorsorge betrachtet.
Vermögensaufbau und Altersvorsorge trennen
Aus meiner Sicht als freier Makler ist die Kategorisierung entscheidend:
Vermögensaufbau: Hier geht es um Wachstum, Chancen und langfristige Rendite. Schwankungen sind erlaubt – solange Zeit, Nerven und Risikotragfähigkeit vorhanden sind.
Altersvorsorge: Hier geht es um Sicherheit, Planbarkeit und Verlässlichkeit. Risiken müssen kontrolliert, nicht maximiert werden. Auch wenn in ETF-Rentenversicherung beispielsweise investiert wird, gibt es viele Mechanismen zu Sicherung des Guthabens.
Wer diese beiden Töpfe vermischt, riskiert, im entscheidenden Moment die falschen Entscheidungen treffen zu müssen.
Diversifikation statt Alles-oder-nichts
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Diversifikation. Ein gesundes Portfolio sollte niemals von einer einzigen Anlageklasse abhängen – egal ob Bitcoin, Aktien oder Immobilien.
Bitcoin kann – wenn überhaupt – eine Beimischung sein.
So lassen sich Chancen nutzen, ohne die finanzielle Basis für den Ruhestand zu gefährden.
Fazit: Klarheit schafft Sicherheit
Bitcoin ist spannend, innovativ und bietet Chancen. Aber er ist keine Altersvorsorge.
Gerade kurz vor oder im Ruhestand kann ein falscher Mix gravierende Folgen haben.
Als freier Makler aus Rheine unterstütze ich bei Finanzkonzepte Wieser dabei, Vermögensaufbau und Altersvorsorge sinnvoll zu strukturieren.
Denn finanzielle Freiheit im Alter entsteht nicht durch Hoffnung auf den nächsten Kursanstieg, sondern durch kluge Planung und saubere Trennung der richtigen Bausteine.





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